2. Stammstrecke: Vaterstetten hätte das Nachsehen

Was wäre, wenn die zweite Stammstrecke nach aktuellem Planungsstand gebaut würde? Wir haben uns die potentiellen Auswirkungen des „Mitfalls 6T“ auf die Gemeinde näher angeguckt. Unter anderem würde Vaterstetten die direkte Anbindung an die Kreisstadt Ebersberg verlieren, das Verpätungsrisiko würde sich erhöhen und im Berufsverkehr sänke der Takt auf 15 Minuten.

Verhandlungen über Verhandlungen, Planungen über Planung. Die zweite Stammstrecke scheint einfach nicht fertig zu werden, besser, deren vollständige Finanzierung und der Baubeginn ist nicht wirklich absehbar. Gemäß der aktuellen Planauslage eines kleinen Abschnitts um die S-Bahn-Station Leuchtenbergring ist bei einer Gesamtbauzeit von 7,5 Jahren ist mit einer Inbetriebnahme nicht vor 2025 zu rechnen – und diese Zeitangabe ist überaus optimistisch, Fachkreise rechnen mit einer weiteren Zeitverzögerung von cirka 5-10 Jahren, sollte die Strecke jemals vollständig genehmigungsfähig und die mehr als drei Milliarden Euro tatsächlich finanzierbar seien.

Doch was hat das Ganze mit unserer Gemeinde zu tun? Ziemlich viel, denn in der seit 2001 politisch erwünschten Variante der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke würde sich einiges bei uns ändern:

Beim seit 2009 favorisierten sogenannten Mitfall 6T sollen im Zuge einer Liniennetzreform künfig 2 Linien über unsere Strecke fahren. Eine S3 Maisach – Grafing Bahnhof nur im 15-Minuten-Takt über die gewohnte Stammstrecke  sowie eine S13 Mammendorf – Ebersberg  im 30-Minuten-Takt über die neue Stammstrecke.

So würde das Netz aussehen, sollte der "Mitfall 6T" kommen.

So würde das Netz aussehen, sollte der „Mitfall 6T“ kommen.

Jedoch bleibt die Anzahl der stündlich fahrenden S-Bahnen zwischen München und Zorneding gleich – und hier ist auch schon der Haken: Die Express-S-Bahnlinie S13 soll zwar in unseren Nachbargemeinden Haar und Zorneding halten, aber weder in Vaterstetten noch in Baldham, wo auch zu Spitzenzeiten die S-Bahn nur alle 15 statt bisher alle zehn Minuten halten soll.

Unsere S-Bahn, dann als S3, führe nur bis Grafing Bahnhof – Vaterstettener Bürger hätten dann gar keine Direktverbindung mehr in die Kreisstadt Ebersberg und nach Grafing Stadt.

Die Planung bringt noch einen weiteren Haken mit sich: Die Expresslinie S13 soll stadteinwärts in Grafing Bahnhof nur drei Minuten vor der S3 los fahren. Sollte sich die S13 aus dem eingleisigen Engpass von Ebersberg nun verspäten, muss entweder die S3 warten, oder die S13 hinter der langsameren – sie hält ja öfters – S3 fahren. In beiden Fällen kommt es dann zu Verspätungen, ein Überholen ist auf unserer S-Bahn-Strecke nämlich nicht möglich. Kurzum erhöht sich das Verspätungsrisiko auf unserer Strecke erheblich.

Die Wachstumsprognose des Landesamtes für Statistik spricht klare Worte: Die Express-S-Bahn soll in Zorneding halten, wo 2028 voraussichtlich 9050 Einwohner leben werden, das sind 2,2% Wachstum in 30 Jahren. In unserer Gemeinde, wo 2028 vsl. 23.340 Einwohner leben werden, einem Wachstum von 7%, soll die schnelle S-Bahn jedoch nicht halten.

Selbst in der Stadt München ist der aktuell geplante zusätzliche S-Bahn-Tunnel in mehr als 40 Metern Tiefe umstritten, weil er wesentlich längere Zugangswege aufweist und weil für den städtischen Binnenverkehr wichtige Stationen wie Karlsplatz, Isartor und Rosenheimer Platz zu Spitzenzeiten im Mittel nurmehr alle drei statt zwei Minuten angefahren würden. Lediglich die an die Express-S-Bahn angebundenen Städte und Gemeinden profitieren von kürzeren einzelnen Quelle-Ziel-Verbindungen, jedoch bei Verlust eines leicht merkbaren einheitlichen Fahrplantakts. Wir Vaterstettener hätten im „Mitfall 6T“ allerdings das Nachsehen.

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