Rathauskonzert: unkonventionelle Gefährdeten

Eine Konzertkritik von Maximiliane Norwood 

Das zweite Vaterstettener Rathauskonzert am 29. Januar 2017 begann mit der schwungvollen Prelude aus dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier. Man trifft auf zwei Instrumentengruppen, bei denen man vielleicht etwas verwundert über deren Zusammenspiel sein könnte: Das Saxophonquartett Saxofourte und das Oboenensemble Concert Royal Köln. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass beide Gruppen sich in den gespielten Epochen sehr wohlfühlen. Das Te deum aus der Musikepoche des Barock wird passend interpretiert.

Zwischen den „inegalen“ Achteln kommen immer wieder genussvolle Triller. Im Eingangschor von Johann Sebastian Bach (BWV 194) spielen die Saxophone begleitende Läufe hinführend zur nächsten, wichtigen Note. Damit erzeugen sie Spannung und bilden eine Grundstruktur für die darübergleitenden Melodiestimmen. In der darauffolgenden Fuge ist das durchgängige Thema sehr gut herauszuhören und die Einsätze sind prägnant und feurig. Synkopen werden spannend gestaltet und die Pausen werden mit Bedacht „gespielt“, was dem Stück einen aufgeweckten Charakter verleiht. Leider ist die Intonation des Oboenensembles nicht immer einwandfrei und manche Passagen klingen etwas gepresst.

Anschließend spielten Saxofourte und Concert Royal Köln jeweils eine barocke Suite. Die bekannte Badinerie aus der Orchestersuite h-Moll von Johann Sebastian Bach wurde von dem Saxophonensemble bei der Wiederholung im Jazzstil interpretiert. Das Arrangement von Peter Ströbele ist temperamentvoll. Rhythmisch prägnant gespielt und mit jazztypischen Synkopen konnte man diesem swingenden Arrangement als außenstehender Zuhörer gut folgen.

Die Leiterin des Oboenensembles, Karla Schröter, erklärte, dass Bach den zuvor gespielten Eingangschor aus Frankreich übernommen habe. Charpentier thematisiert das typisch wilde und feierliche Leben der Franzosen in seinen Stücken. → Zuerst wird viel getrunken, dann erlebt man alles im Traum. Sie erklärt auch, was die sogenannte Taille ist: Die barocke Version eines modernen Fagotts. Die spannenden und detailreichenden Ansagen sollten beim nächsten Mal jedoch mit Mikrofon verstärkt werden.

Als nächstes spielte das Saxophonquartett eine Aria von Heitor Villa-Lobos. Der Brasilianer hat sich bei der Komposition dieses Stückes an Bach orientiert und die dazugehörige Oper im strengen Fugenstil durchkomponiert.

Anschließend folgten zwei Sätze aus einer Motette von Bach: Hier klingen die Saxophone wie eine erfahrene Mutter mit ihrem warmen, wohligen Klang und die Oboen wie das kleine, freudige Kind mit der hohen Stimme. Der helle und präzise Klang der Oboen mischt sich gut mit dem vollen Klang der Saxophone. Mit Schwung und Euphorie geht es in die Pause.

Der zweite Teil wird von Saxofourte und Concert Royal Köln mit Sätzen aus dem Magnificat Meine Seele erhebt den Herren von Bach eröffnet. Es sind schöne Harmoniewechsel; fließende, lange Töne und pompöse Klänge zu hören. Das Basso Continuo-Fundament, gespielt von Orgel und Taille, mündet in ein Orgelsolo, das musikalisch überzeugte.

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