Was heißt heute eigentlich konservativ?

Was heißt heute eigentlich konservativ – dieser Frage ging der Journalist Jan Fleischhauer am Sonntag beim traditionellen Martinsgansessen nach.

Fleischhauer war 30 Jahre lang beim Spiegel tätig, ehe er dieses Jahr zum Burda-Verlag wechselte. Was ist heute eigentlich konservativ? Festhalten im Sinne des Wortsinnes? Dann seien die Grünen die wohl konservativste Partei, die in die 1810er-Jahre, „das grüne Ideal-Jahrzehnt“ vor die Erfindung der Dampfmaschine zurückwolle, so Fleischhauer. Für ihn sei Konservative „eher eine Haltung zur Welt“, welche unter anderem mit Gelassenheit beschreibbar wäre.

Er äußere sich zu seiner Teilnahme an Matthias Mattuseks Geburtstagsfeier, die in der Öffentlichkeit, unter anderem von Satiriker Jan Böhmermann, stark kritisiert wurde, da unter den Teilnehmern auch Vertreter der Neuen Rechten waren. Fleischhauer betonte, dass es die Aufgabe von Journalisten sein, solche Personen zu treffen. Die Entschiedung über Freundschaft zu Personen, die Positionen vertreten, mit denen man selbst nicht mehr mitgehen möchte, obliege nur einem selbst. Dies sei eine Frage, die höchstpersönlich ist und „über die die Öffentlichkeit kein Recht hat, von Ihnen Auskunft zu verlangen. Und wenn Sie das tut, dann reden wir nicht mehr von einer Demokratie, sondern von einem totalitärem System“. Der Journalist zog einen Vergleich zur Kontaktschuld der DDR.

Journalist Jan Fleischhauer beim Martinsgansessen Foto: Leon Öttl

Die „neue Aufgeregtheit“ resultiere aus einer größeren Lust an der Moralisierung politischer Diskurse, so Fleischhauer, der dies anhand Fahrradwegen in der Lokalpolitik veranschaulichte. Ginge es eigentlich nur um Fahrradwege werde die Frage zu einer Versündigung am Weltklima aufgegriffen. Zum Thema Angst und Klimawandel sprach der Redner auch Greta Thunberg mit ihrer Aussage „ich will, dass Ihr meine Panik spürt“ an.

Als weitere Beispiele für Ängste führte Fleischhauer die Ernährung an. Seien Ängste nicht universell, sei Angst sehr wohl auch medial und eine „politisch bedeutende Antriebskraft“, ohne die die Aufstiege von Grünen und AfD nicht möglich sein. Er fühle sich bei einer Zeitreise, bei der er auf einige ihm bereits bekannte Dinge trifft: die Protestkultur, in der sich verschiedene politische Strömungen zusammenfinden, die Verachtung für das Parlament sowie der Glaube an das Volk an eine „ursprüngliche Kraft, die mit den Mächtigen aufräumen wird, wenn die Stunde gekommen ist“. Dass die AfD so stark sei, resultiere laut Fleischhauer aus dem Gefühl mancher, „kulturell abgehangen zu sein“. Im weiteren Redeverlauf führte der Journalist aus, warum die CSU nachweisbar stark ist.

Die komplette Rede ist bei der CSU als Mitschnitt abrufbar:

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